Stillstand ist Rückschritt

Einsatz für mehr Qualität in der Lehre

Die BOKU ist eine Uni mit weltweit anerkanntem Ruf. Als deren größte ÖH-Fraktion will sich die AktionsGemeinschaft BOKU für die Sicherung dieses Rufes und dessen weiteren Ausbau einsetzen. Im Unterschied zu den Massen-Unis hat die BOKU das Potential, Dinge wesentlich reibungsloser, entspannter und persönlicher zum Laufen zu bringen. Diese sollen einerseits uns Studierenden den Alltag erleichtern und ebenso das Niveau der Ausbildung konsequent steigern. Jedoch können all diese Maßnahmen nur im Dialog mit Euch und dem Universitätspersonal umgesetzt werden. Ein Dialog, der zwar in so vielen wissenschaftlichen Vorträgen an unserer Uni gepredigt, aber in weiten Teilen nicht umgesetzt wird.

 Evaluierungen für die Tonne

So wird zum Beispiel ein angestrebter Dialog in Form von Evaluierungen in kaum einer Weise kommentiert. Bei manchen Lehrveranstaltungen liegt der Verdacht nahe, dass das Ergebnis der Evaluierung gar nicht beim Verantwortlichen einlangt. Schweigsamkeit zu konstruktiven Kritikpunkten an einer Person, einem Institut oder dessen Lehrmethoden behindert die Weiterentwicklung von Lehrveranstaltungen. Daher ist es aus unserer Sicht eine verpflichtende Reaktion der Lehrenden auf die Evaluierungsergebnisse notwendig. Denn ohne eine Stellungnahme zu den Ergebnissen und allenfalls resultierenden Maßnahmen, verläuft sich der Grundgedanke einer Evaluierung sprichwörtlich im Sand.

Theorie is ned ois!

Für die akademische Ausbildung in vielen Bereichen ist unsere Uni österreichweit der einzige Standort. Stehen bei einem angestrebten Studium in BWL, Jus oder Medizin die Unis mehrerer Städten zur Wahl, ist für all jene, die zu einem BOKU Studium tendieren der Weg vorprogrammiert. Der Vorteil der Kompetenzbündelung wird vielfach durch das er-zeugte Spannungsfeld zwischen den Interessen von Forschung und Privatwirtschaft gemindert. Es werden von einer universitären Ausbildung ein breites Allgemeinwissen und der Zugang zum wissenschaftlichen Arbeiten verlangt, was auch gerechtfertigt ist. Bloß darf an der BOKU nicht vergessen werden, dass sich viele Studenten im Anschluss nicht in Forschung oder Lehre, sondern in der Privatwirtschaft wiederfinden. Aus unserer Sicht müssen praxisrelevanten Inhalte stärker forciert werden, um später in der Berufswelt bestehen zu können. Warum kann z.B. ein Landschaftsplaner chemische Reaktionen im Boden berechnen, einen Theodoliten bedienen jedoch nicht?Deshalb unser Einsatz für mehr Praxis, denn: Theorie is hoid ned ois!

Warum schreibt er ned zruck?

Die große Kluft zwischen Theorie und Praxis zeigt sich im Moment auch am Beispiel der Betreuung bei Bachelorarbeiten. Vorgeschriebene Gruppenarbeiten, unbeantwortete E-Mails und dicke Luft auf beiden Seiten. Die Tatsache, dass wir laut Bologna-Prozess anstatt einer Diplomarbeit eine Bachelor- und eine Masterarbeit verfassen dürfen, bereitet schon so manchem keine Freude. Dass jedoch 16 Jahre nach Beschluss dieser europaweiten „Harmonisierung“ der Hochschulstudiengänge ob der laufend steigenden Studierendenzahlen jener zusätzliche Aufwand dann auch noch zu Unmut bei den Betreuern, Qualitätsverlust bei der eigenen Arbeit und zu zeitlichen Abschweifungen führen, bringt das Fass zum Überlaufen. Aus unserer Sicht ist es daher essentiell für alle Beteiligten und letzten Endes für den Ruf der BOKU, den Betreuerstab für Bachelorarbeiten zu vergrößern. Mit einer Zulassung des Mittelbaus und Doktoranden zur Bakk-Betreuung in allen Studienrichtungen könnten sowohl die zeitlichen als auch nervlichen Ressourcen aller Beteiligten geschont werden. Die genannten Voraussetzungen zu schaffen sehen wir als eine unserer Aufgaben.

Autor: Peter Wagentristl