Österreich kann stolz auf seine Forschung sein!

Die als österreichische Forscherin des Jahres nominierte BOKU-Professorin Herta Steinkellner, welche maßgebliche Forschungsleistungen rund um die Herstellung eines Wirkstoffes für „Zmapp“, ein Medikament gegen Ebola, erbrachte, nahm sich Zeit für die AktionsGemeinschaft BOKU und erzählte über Ihren Erfolg in der Proteinforschung.

 

Sehr geehrte Frau Professor Steinkellner, was haben Sie selbst studiert und wie sind Sie an die BOKU gekommen?

Ich selbst habe Molekularbiologie an der Uni Wien studiert, bin aber schon während meines Studiums an die BOKU gekommen. Das Studium war zu theoretisch, ich suchte einen Praxisbezug. Deshalb habe ich mich nach einem Nebenjob umgesehen. Im Biozentrum entdeckte ich einen Aushang für eine Stelle als Teilzeit-Laborantin in einem genetischen Analyselabor des AKHs. Ich habe die Stelle gekommen und es war bildlich gesprochen Liebe auf den ersten Blick. Ich bemerkte wie Theorie und Praxis plötzlich zusammen passten und das Studium wurde auf einmal viel interessanter. Im Zuge dieser Anstellung lernte ich Arbeiten mit tierischen Zellen, das war damals in Österreich eine Seltenheit. Und wie so oft im Leben, spielte auch bei mir damals der Zufall eine große Rolle, als mir ein, an der BOKU im Bereich der Mikrobiologie beschäftigter Kommilitone, mitteilte, dass dort eine wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich der Zellenforschung gesucht wird. So bin ich noch als Student vom AKH ins „Rosthaus“ (ehem. Schwackhöferhaus) übersiedelt. Dort habe ich die Mikrobiologie, Molekularbiologie und die Biotechnologie kennengelernt. Diese Themengebiete waren mir zwar zuvor nicht sonderlich geläufig, die Aufgabenstellungen waren jedoch extrem spannend. Nach einigen Jahren Teilzeitbeschäftigung und Beendigung meines Studiums durfte ich meine Dissertation in diesem Fachbereich absolvieren.

 

Sie forschen nun schon einige Zeit mit dieser neuen Technologie. Doch wie hat sich das entwickelt?  Gab es einen gezielten Auftrag für Zmapp?

Nein, das war eigentlich Zufall. Es gibt eine neue Klasse von Medikamenten, die auf Proteinebene hergestellt werden. Da die Herstellung sehr aufwendig und kostspielig ist (sie werden aus tierischen Zellen gewonnen), war/ist man natürlich ständig auf der Suche nach neuen Möglichkeiten der Herstellung. Mit neuen Erkenntnissen in der Molekularbiologie taten sich hier einige neue Möglichkeiten auf. Man hat festgestellt, dass man ein menschliches Gen in eine pflanzliche Zelle geben kann und dieses Gen dann ein Protein herstellt, das ident ist wie in tierischen Zellen. Dabei wurde eine tabakverwandte Pflanze verwendet. Diese wurde genetisch so verändert, dass sie menschliche Proteine, wie zum Beispiel Antikörper, produziert. Mit Ebola per se hatten wir dabei ursprünglich nichts zu tun, es war eigentlich unser Ziel ein generelles System zu entwickeln, wozu wir zuerst mit HIV Antikörper arbeiteten. Bei einem Kongress 2008 habe ich dann Kollegen von mapp biopharmaceuticals kennengelernt, ein vergleichsweise kleines US-Unternehmen. Diese hatten Interesse Antikörper gegen Ebola Viren in unserem manipulierten Tabak herzustellen. Nach Abklärung aller Rahmenbedingungen wurden diese dann dem Unternehmen zur Verfügung gestellt.

Nun ist dieses humanitäre Problem ausgebrochen und es wurde bereits eine Hand voll Menschen mit dem daraus resultierenden Medikament behandelt. Wie sind die Erfahrungswerte bis jetzt und warum wurden noch nicht mehr Patienten behandelt?

Das Problem ist, dass Zmapp, so heißt der Antikörper-Cocktail gegen Ebola, noch kein zugelassenes Medikament ist. Die Substanz durchläuft mehrere Zulassungsprozeduren bis es als Medikament zugelassen wird. Diesen Sommer war ich wie schon öfters, bei mapp in Kalifornien und konnte mich davon überzeugen, dass die Affenstudien in diesem Zulassungsprozedere bereits vielversprechend abgeschlossen waren und das Unternehmen bereits um Zulassung zur klinischen Studie mit menschlichen Probanden angesucht hatte. Auf dem Rückflug nach Österreich wurde mir mitgeteilt, dass sie die Zulassung für die klinische Studie 1 erteilt wurde, was an sich sehr erfreulich ist, jedoch hätte man, als ich in Wien zwei Tage später aus dem Flugzeug ausstieg,  bereits ein fertiges Medikament gebraucht, da sich die Ebola Erkrankung explosionsartig verbreitet hat. Es wurde nach Rücksprache mit der WHO also aus Mangel an Alternativen die klinische Studie 1 abgekürzt und beschlossen Zmapp direkt den Patienten zu verabreichen. Aus Not wurden sechs Patienten behandelt, von denen vier wieder als gesund gelten. Man kann zurzeit nur schwer Aussagen über die Wirksamkeit tätigen, da für eine ordentliche Statistik die Anzahl der behandelten viel zu gering ist. Es ist derzeit aber nicht möglich mehr Personen zu behandeln, da es keine Vorräte von Zmapp gibt. Ein Großteil der Menge, welche bereits produziert wurde, wurde im Zuge der Affenstudie aufgebraucht und es wurde natürlich auch nicht im Überfluss produziert, da man vor circa einem Monat ja nicht einmal wusste, ob das „Serum“ auch tatsächlich eine Zulassung erlangt. Solche Substanzen kann man ja auch nicht ewig lagern. Sofern man das bei einer humanitären Katastrophe in diesem Ausmaß überhaupt sagen kann, mussten wir leider feststellen, dass in Bezug auf Zmapp sich die Krankheit um ein Jahr zu früh verbreitete, die Produktion läuft inzwischen auf Hochtouren. Im Frühjahr 2015 ist ein großflächiger Einsatz geplant.

Sie haben sich maßgeblich an der Forschung dieser pflanzlichen Proteine beteiligt und so eine Grundlage für dieses Medikament geschaffen. Wie ist somit Ihre persönliche Erwartungshaltung?

Ich würde mich sehr freuen, wenn das Mittel wirken würde. Abgesehen vom humanitären Nutzen würde es eine Tür in Richtung einer neuen Technologie öffnen. Der Weg zum Markt ist schwer, da die ‚Global Player‘ bereits Milliarden in herkömmliche Technologien, basierend auf tierischen Zellen, investiert haben. Ein Umsatteln in Unternehmensausrichtungen bedeuten enorme Energie und Überzeugungsarbeit, obwohl Technologien dieser Art Medikamente kostengünstiger machen würden. Vor allem bei Ebola, das ja hauptsächlich in Afrika wütet, ist dies essentiell. Wir hoffen natürlich stark eine Richtungsänderung herbeizurufen.

Wie verhält es sich rechtlich rund um den Patentschutz der Forschungsleistung? Haben sich aus dem Erfolg resultierend neue Türen geöffnet?

Die rechtliche Situation ist komplex, aber wir haben entsprechende Patente und es ist durchaus möglich, dass, wenn Zmapp Medikament-Status erhält, die BOKU daraus finanzielle Mittel lukrieren könnte. Grundsätzlich ist unsere Forschung in der wissenschaftlichen Community bestens verankert, wir sind bei großen EU-Konsortien dabei und dafür auch international hoch angesehen. Es wir de facto auf jedem Kontinent mit den BOKU-Pflanzen gearbeitet, aber erst mit dem Ausbruch von Ebola ist die Technik in den Focus der Öffentlichkeit gerückt. Türen haben sich insofern dadurch geöffnet, indem unser System mit Zmapp aus dem Labor in die Praxis gerückt ist und nun daher neue Forschungsprojekte und Gelder lukriert werden können.

Medial sind Sie nun sehr stark vertreten. Es ist für sie sicher ein großer Erfolg als Forscherin des Jahres nominiert zu sein. Inwiefern hat das Ihr Leben verändert?

Es ist ein schönes Gefühl wenn die Arbeit gewürdigt wird und natürlich betrachte alleine die Nominierung schon als Erfolg. Ich kremple mein Leben deshalb aber nicht um und gehe zielstrebig meinen Weg weiter. Es liegen bereits weitere Projekte in der Schublade und ich hoffe ich kann noch viele Erfolge verzeichnen. Mir ist natürlich bewusst, dass Glück und Zufall eine gewisse Rolle spielen. Durch das mediale Interesse haben mein Team und ich die Chance der Öffentlichkeit zu zeigen, was an der Universität passiert und dass wir an den großen Problemen der Welt mitarbeiten können. Es hilft uns die Universität und die Forschung in ein schönes Licht zu rücken. Ich möchte, dass die Österreicher stolz auf ihre Unis sind!

Danke!